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Ermita de Betlem: Einsiedelei mit traumhafter Aussicht

Ermita de Betlem

Fragt man bei den mallorquinischen Familien herum, so kennt sie jeder, die Ermita de Betlem, das Kloster in der Serra d’Artà. Die kurze Wanderung zur Klause ist geradezu geeignet für Familien, aber auch für eher gemütliche Wanderer.

Der Weg führt durch eine Wild-West-Kulisse zu dem spirituellen Ort, vorbei an malerischen Felsüberhängen und kleinen Höhlen. Abgerundet wird der kurze Aufstieg von einer Panoramasicht auf die Bucht von Alcúdia.

Am Parkplatz an der Ma-3331 (siehe Infokasten unten und Google Street View) verschafft uns eine Schautafel Überblick über die Wanderwege in der Serra d’Artana, wobei uns nur das kleine Teilstück des Gr-222 (Fernwanderweg von Artà nach Lluc) links vom Parkplatz bis zur Ermita de Betlem interessiert. Man sollte mit insgesamt zwei Stunden reiner Gehzeit rechnen. Der breite Weg führt über eine kleine Leiter und steigt dann sanft bergan, bis wir nach ungefähr fünf Minuten zu den Cases de Betlem kommen, einer verlassenen Finca oder auch Possessió, wie man die großen, ruralen Gutshöfe auf Mallorca nennt.

Cases de Betlem

Cases de Betlem

Hier halten wir uns rechts. Gleich nach ca. 50 Metern führt uns ein Wegweiser nach links. Über breite Steinstufen führt der Pfad nach oben, gesäumt von knorrigen Oliven- und Johannisbrotbäumen. Links sind die Gipfel vom Puig de Sa Creu (Gipfelkreuz) und daneben des Puig d’Vermell zu sehen. Die raue Karstlandschaft erinnert zunehmend an die berühmten Karl May Kulissen. Rechts unterhalb von uns liegt nun das meist trockene Bett des Torrent (Sturzbach) de s’Aigua Dolce. In den über ihm prangenden Felsvorsprüngen sind sogar kleinere Höhlen mit Tropfsteinen auszumachen. Der schmale Pfad mäandert sich nun in Serpentinen weiter nach oben.

Nach insgesamt etwas mehr als 20 Minuten gibt es einen Mauerdurchbruch und dahinter eine Felsnase, von der aus wir eine tolle Sicht auf die Halbinsel Victoria erhaschen können. Der Weg führt danach zunächst flacher, dann wieder ansteigend in Kurven durch Diss-Gras und Mastixsträucher, bis wir schließlich nach einer Linkskehre unter hohen, schattenspendenden Kiefern zum Coll d’Ermita gelangen. Zur Rechten liegt die Einsiedelei malerisch in mitten von Gärten und Obstplantagen. Nach wenigen Metern kommen wir schliesslich zur Font d’Ermita, der Quelle des Kloster, die von alten Platanen beschattet wird. Die Quelle wurde nach dem Vorbild der Lourdes-Grotte gestaltet, was auf Mallorca häufiger zu sehen ist.

Font d’Ermita

Font d’Ermita

Nach wenigen Minuten über eine flache Schotterpiste haben wir den Eingang zur Klause erreicht. 1805 bauten Mönche des Heiligen Paulus und Antonius das verfallene, ehemals maurische Landgut wieder auf und gründeten das Kloster. Nur ein einziger Mönch lebt heute noch hier oben. Er hält das Gebäude in Schuss und verkauft kleine Andenken in einem Mini-Kloster-Shop. Wer jetzt noch Puste hat, sollte einmal um das Kloster herum laufen. Dort befindet sich ein kleines Tor. Direkt dahinter links, an der Mauer entlang, führt ein Weg weitere zehn Minuten hoch auf den Puig de sa Coassa. Der Weg ist zwar nicht beschildert, aber ziemlich ausgetreten, und daher gut erkennbar. Am Gipfelplateau findet man dann noch eine alte Hausruine und einen Unterstand aus dem Bürgerkrieg. Von hier hat man eine unvergesslichen Blick auf die Bucht von Alcúdia, bei guter Sicht sogar zur Tramuntana im Nordwesten. Vielleicht ist hier oben ja auch der perfekte Ort für ein Picknick.

Zurück nehmen wir dann den gleichen Weg hinunter zum Parkplatz. Wer überhaupt keine Lust zum Wandern verspürt, aber die Ermita de Betlem trotzdem besuchen möchte, kann sie auch von Artà aus mit dem Auto erreichen.

Was? Leichte Wanderung durch eine schroffe Bergwelt mitten in die Einsamkeit der Klause
Wo? Parkplatz an der Ma-3331 bei Kilometerstein 7,5 N 39 44.947 E3 18.696. Anfahrt von der Ma-12 zwischen Artá und Son Serra de Marina auf die Ma-3331 Richtung Colònia de Sant Pere/Betlem. Bei Kilometerstein 7,5 (große Steine mit gelber Kuppel zeigen die Kilometer an, kleine weisse Steine die Hundertmeter-Marken) ist beidseitig der Straße ein Parklatz an einer Schautafel
Welche Höhenunterschiede? 270 m
Wie lange? 6,9 km, ca. 2 Stunden
Was mitnehmen? Wanderstiefel (zur Not auch Turnschuhe), Wasser, Sonnenschutz, Kopfbedeckung, evtl. Picknick, Kamera, evtl. Badesachen für später im Auto lassen
Wo einkehren? nur in Betlem (Dorf), Colònia de Sant Pere oder Son Serra de Marina
Wann? Ganzjährig, im Sommer morgens oder abends. Öffnungszeiten: Finca: April bis September 10–19 Uhr, Oktober bis März 10–17 Uhr. Museum: ganzjährig bis 16 Uhr
Tipp: Im benachbarten Son Serra de Marina gibt es das sehr gute und preiswerte Restaurant El Sol (www.sunshine-bar.net). Mit etwas Glück kann man hier auch einen tollen Sonnenuntergang erleben. Ansonsten finden sich auch in Colonia de Sant Pere am Hafen einige Restaurants.

Karte: