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Naturschutzgebiet S’Albufera

S‘Albufera

Es gibt zwei Orte auf Mallorca, an denen man bestens versumpfen kann – am Ballermann und in S’Albufera, dem Sumpfgebiet zwischen Port d’Alcúdia und Can Picafort.

Sümpfe auf Mallorca? Ja, stimmt. Viele Besucher sind ja noch von der ca. 100 Kilometer langen Bergkette der Tramuntana überrascht, wenn sie auf die Insel kommen. Und jetzt auch noch das. Sümpfe!
Obwohl das Naturschutzgebiet unweit eines sehr touristischen Gebiets liegt, nämlich zwischen Port d’Alcúdia und Can Picafort, brausen täglich hunderte Urlauber daran vorbei. Dabei bildet es wirklich einen gelungenen Gegenpol zum Strand, bei dem es vor allem um eines geht: Stille.

Vor ca. 100.000 Jahren war S’Albufera noch eine Seenlandschaft, nur durch Dünen von der Bucht von Alcúdia getrennt. Die Seen verlandeten mit der Zeit und boten bis heute über 300 Vogelarten, darunter Reiher, Kolbenenten, Schafstelzen, Störchen und sogar Flamingos und Fischadlern ein Zuhause oder dienten als Zwischenstopp während des Vogelzugs. Grund genug für die Balearenregierung, das Gebiet 1988 unter Naturschutz zu stellen (ANEI Gebiet von besonderem Interesse). Heute kommen Hobby-Ornithologen in eigens errichteten überdachten Beobachtungsständen voll auf ihre Kosten. Aber auch Reptilien, wie Schlangen (allesamt ungiftig), Sumpfschildkröten und Frösche sind in den Kanälen zu sehen. Dazu zählt man in den Gewässern fast 30 verschiedene Fischarten – vor allem Barsche und Aale.

S'Albufera

S’Albufera

Man startet an der Pont dels Anglesos (Brücke der Engländer) am Canal Gran de s’Albufera, gleich neben der Landstraße Ma-12 zwischen Port d’Alcúdia und Can Picafort. Gleich hinter der Brücke befindet sich am Kreisverkehr auch ein kleiner Parkplatz. Wer dort kein Glück hat, sollte es auf der anderen Straßenseite zwischen den großen Hotels versuchen.
Vom Eingang aus erreicht man nach gut einem Kilometer das Besucherzentrum Centre de Recepció sa Roca. Es ist in einer ehemaligen Papiermühle untergebracht, in der man Schilf aus dem Gebiet zur Papierherstellung nutzte. Auch Ferngläser können im Besucherzentrum ausgeliehen werden. Informationsbroschüren liegen kostenfrei aus. Wenn man den Park lieber auf eigene Faust entdecken will, dann führen von hier fünf ausgeschilderte Wegrouten durch den Naturpark. Darüber hinaus befindet sich auch ein kleines Museum im Inneren des Parks.

S'Albufera

S’Albufera

So idyllisch S’Albufera auch wirkt, es steckt eine lange Geschichte in den Untiefen der Sümpfe. Denn es handelt sich um keine reine Naturlandschaft mehr. Schon vor 150 Jahren unternahm die spanische Regierung Maßnahmen zur Trockenlegung der Sümpfe. Man wollte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits landwirtschaftliche Nutzflächen gewinnen, andererseits die Malaria übertragenden Mücken ausmerzen. Doch viele Versuche scheiterten, bis sich der englische Ingenieur Frederick Bateman im April 1863 dem Projekt annahm. Acht Jahre lange bauten 1500 Arbeiter fast 50 Kilometer Wege, 138 Kilometer Kanäle, elf Brücken und einen 300 Meter langen Landungssteg zum Meer. Die dafür nötigen 18 Millionen Peseten zahlte Bateman aus eigener Tasche. Dafür durfte er aber auch jeden Quadratmeter Land, den er trockenlegte, sein Eigen nennen. So die Vereinbarung mit der Regierung. Am Ende konnten tatsächlich Getreide, Baumwolle, Reis und sogar Seide angebaut werden. Doch lief ständig Salzwasser meerseitig in die Nutzflächen nach. Em Ende blieben Bateman nur 280 Hektar Nutzfläche, die er seinem Sohn vermachte, welcher sie später an einen mallorquinischen Großgrundbesitzer verkaufte.

Was? Eine völlig unerwartete Landschaft, bei der es weniger um wilde Abenteuer geht als um stilles Beobachten im Einklang mit der Natur. Das wird geboten: seltene Flora und Fauna; schöne Fotomotive; spazieren gehen in beinahe unberührter Landschaft
Wo? Von Palma über die Autobahn Richtung Norden – Port d’Alcúdia, auf der Landstraße Ma-12 Richtung Can Picafort, bei der Brücke der Engländer parken
Wann? Ganzjährig. Kein Schatten. Wer Zugvögel beobachten will: Frühjahr bzw. Herbst
Öffnungszeiten: Der Park selbst ist vom 1. April bis 30. September von 9–18 Uhr, vom 1. Oktober bis 31. März von 9–17 Uhr geöffnet. Das Besucherzentrum ist von 9–16 Uhr geöffnet, Tel. +34/971/892250, Führungen ab 20 Personen nur Samstagvormittags (2 Std., bitte vorher telefonisch anmelden)
Gehzeit: Variabel, je nach Lust und Kondition ca. 1 – 3,5 Std.
Ausrüstung: Fernglas (kann im Park auch ausgeliehen werden), Wasser, Insektenschutz gegen Mücken
Preise: Gratis, allerdings muss man sich im Besucherzentrum anmelden
In der Nähe: Plaja de Muro, Playa d’Alcúdia, Finca Son Real, Stiftung Jakober
Informationen: Centro de Visitantes Parque Nacional de Cabrera, C/ Gabriel Roca s/n, Ecke Plaza Es Dolç, 07638 Colónia de Sant Jordi Illes, Tel. +34/971/65 62 82 Webseite: http://cvcabrera.es

Karte:

Foto ganz oben: © Guido Optimgo / Alle Rechte vorbehalten